Franz- und hannov. Zeit (1803-1866)

Osnabrück in der ersten und zweiten  Hälfte des 19. Jahrhunderts

 

Osnabrück in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (nach einer Lithographie von Niederniehaus).

 

 

Osnabrück in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (Lithographie Anstalt von Hermann Paal).

 

1802
Am 29.10.1802 tritt Bischof Friedrich das Fürstbistum Osnabrück, entsprechend den Vereinbarungen des Reichsdeputationshauptschlußes, an seinen Vater König Georg III. von England, ab. Die Verwaltung übernimmt die hannoversche Regierung, daß Fürstbistum Osnabrück hört auf, zu bestehen. Aller geistlicher Besitz wird aufgehoben. Bistum, Domkapitel, das Stift zu St. Johann, sowie die noch bestehenden Klöster im Bistum werden aufgehoben und der Verwaltung der Klosterkammer unterstellt (Säkularisation). Die Regierung behält sich zudem vor, die Ratswahlen in der Stadt Osnabrück zu bestätigen.

 

1803
Das Kurfürstentum Hannover wird von Frankreich okkupiert, napoleonische Truppen besetzen Osnabrück und übernehmen die Verwaltung. In einer der ersten Amtshandlungen werden die Häuser Osnabrücks mit Hausnummern versehen.

 

1804 -1813
Heinrich David Stüve wird Erster Bürgermeister, ab 1807 trägt er offiziell den Titel Maire.

 

1806
Nach der Kriegserkläung Preußens an Frankreich, am 01.03.1806, wird das Kurfürstentum Hannover von preußischen Truppen annektiert. Auch die Stadt Osnabrück leistet dem preußischen König den Huldigungseid.

 

1806
Nach der preußischen Niederlage bei Jena, 26.10.1806, kehren die französischen Truppen nach Osnabrück zurück. Osnabrück, das Osnabrücker Land, die Region um Münster, Tecklenburg, Lingen und die Grafschaft Mark werden zum Premier Gouvernement das Pay Conqius (Erstes Gouvernement der eroberten Lande) zusammengefasst und zu hohen Abgabenzahlungen verpflichtet.

 

1807
Das Gebiet des ehemaligen Fürstbistums Osnabrück wird dem Königreich Westfalen unter der Leitung des Bruders von Kaiser Napoleon, König Jerome, zugesprochen. Osnabrück wird die Haupdstadt des Weserdepartements. Eine Osnabrücker Abordnung, unter Leitung des Bürgermeisters, nunmehr Maire, Heinrich David Stüve reist nach Paris zur Huldigung. Dort wird der Abordnung neben einer neuen Verfassung auch die Reformen der Justiz, der Code Napoléon, überreicht. Dies hat weitreichende Folgen. Erstmalig werden im gesammten Königreich Westfalen die Maße und Gewichte vereinheitlicht, Standesrechte, Leibeigenschaft und Zunftzwang werden aufgehoben und die jüdischen Mitbürger, von denen in Osnabrück wenige lebten, werden gleichberechtigte Bürger. Auf der anderen Seite wird das Königreich Westfalen nunmehr verpflichtet, eine große Anzahl an Rekruten und hohe Steuerzahlungen bereitzustellen, welche insbesondere für die Region Osnabrück schwierig aufzubringen waren, da die Kontinentalsperre hohe finanzielle Verluste verursachte.

 

1808
Die Leichenbestattung innerhalb der Stadtmauern wird verboten, es werden der heutige Hasefriedhof und der Johannesfriedhof angelegt. Die Zuständigkeit für die Straßenbeleuchtungen geht von den Laischaften auf die Stadt über. Die teilweise vorhandene Selbstverwaltung von Alt- und Neustadt wird aufgehoben.
König Jerome wird bei seinem Besuch in Osnabrück von den Bürgern mit Begeisterung empfangen.

 

1810
Die Westfälische Regierung richtet in Osnabrück ein evangelisches Lehrerseminar ein. Die städtische Armenanstalt wird gegründet und das evangelische Waisenhaus aufgehoben.

 


1811
Osnabrück wird dem französischen Kaiserreich unterstellt. Dies führt dazu, daß die in Osnabrück bestehende Tabakindustrie aufgelöst wird, da das Kernland Frankreich das Tabakmonopol besitzt. An der Katharinenkirche wird ein Wochenmarkt eingerichtet.

 


1813
Eine große Anzahl von Verwundeten aus Rußland treffen in Osnabrück ein, es wird ein Lazarett eingerichtet. 
Der Advokat Kamps aus Damme wird wegen Beleidigung der französischen Gendarmerie und Verwaltung zum Tode verurteilt und in der Wüste erschossen.
Maire Stüve stirbt an Typhus, sein Nachfolger im Amt und, nach dem Abzug der Franzosen am 03.11.1813, Bürgermeister im nunmehr hannoverischen Osnabrück wird der Fabrikant Thorbecke.

 


1814
Osnabrück erhält eine neue, hannoversche, Stadtverfassung. Hierbei werden viele alte Privilegien der Stadt, die fast reichstädtische Selbständigkeit beanspruchen konnte, aufgehoben. Der Magistrat wird in eine Gerichts- und eine Verwaltungskammer unterteilt, die Trennung von Alt- und Neustadt bleibt aufgehoben.

 


1815
Der Advokat Gerhard Friedrich von Gülich stiftet das noch heute erhaltene Heger Tor in Anerkennung der Tapferkeit des Osnabrücker Landwehrbatallions bei Waterloo.

 


1816
Osnabrück wird der hier ansässigen Provinzialregierung des Königreiches Hannover (seit dem Wiener Kongreß 1814/1815) unterstellt. Die Stadt verliert hiermit ihre Militärhoheit und die Steuerfreiheit. Ihr bleiben die niedere Gerichtsbarkeit und die Verwaltung der evangelischen Schulen. Die Verwaltung der kirchliche katholischen Einrichtungen erfolgt durch Apostolische Administratoren Karl Klemens Gruben †1827 und Karl Anton Lüpke 1827-1855 wovon der Letztere 1830 Weihbischof von Osnabrück wird.

 


1817
Das Ratsgymnasium erhält vom König von Hannover die von Böselagersche Kurie als neues Schulgebäude. Die Zünfte werden wiederhergestellt und somit die Gewerbefreiheit beendet.

 


1823
Die Regierung in Osnabrück erhält die Bezeichnung Landdrostei.

 


1824
Die Stadttore fallen als erstes der nun begonnenen Entfestung der Stadt zu Opfer. Johan Carl Bertram Stüve (geb. 1798) wird der Vertreter der Stadt in der 2. Kammer der hannoverschen Ständeversammlung. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit waren das Ablösungsgesetz von 1831, es diente dazu die, nach der französischen Zeit wieder eingeführte Leibeigenschaft aufzuheben, sowie der Entwurf des Staatsgrundgesetzes von 1833.

 


1825
Die Stadtsparkasse wird eröffnet.

 


1827-1833
Albert Lortzing wirkt als Schauspieler, Sänger, Dichter und Kapellmeister in Osnabrück.

 


1831
Die Eigenbehörigkeit wird im Königreich Hannover aufgehoben.

 


1832
Die Bürger feiern nach langer Unterbrechung wieder ein Schützenfest.

 


1833
Der evangelische Magistrat errichtet eine evangelische Bürgerschule. Hierbei orientiert er sich an den Vorbild anderer, gleichgroßer Städte in Westfalen.

 


1836
Das Möserdenkmal wird auf der großen Domsfreiheit enthüllt.

 


1838
Der Lehrer Noelle errichtet die erste private Handelsschule in Osnabrück, gleichzeitig wird ein katholisches Lehrerseminar eingerichtet.

 


1843
Der Magistrat hebt das 1553 erlassene Bauverbot vor den Mauern der Stadt auf. Sofort entstehen dort auch die ersten Bauten. 
Der "Osnabrücker Handelsverein" wird gegründet, aus ihm entsteht 1863 die Handelskammer, später Indstrie- und Handelskammer.

 


1848
Die revolutionären Ereignisse gehen auch am Königreich Hannover nicht ohne Auswirkungen vorbei. In Osnabrück entsteht zu dieser Zeit eine demokratische Zeitung, das Tagesblatt. Die Bürger bilden Kommitees, sie fordern zudem eine freie Volksvertretung (Bürgervorsteherversammlung) und bilden eine Bürgerwehr. Weiter verlangen sie die Verwirklichung des Rechts auf Arbeit sowie kostenlosen Schulunterricht und Schulmittel.
Die freie Volksvertretung (Bürgervorsteherversammlung) wird ihnen in der neuen Stadtverfassung vom 01.03.1849 gewährt.
In dieser Zeit entstehen der linksgerichtete "Märzverein", die regierungstreue Zeitung "Volksblatt" mit dem "Vaterländischen Verein" und der katholische "Piusverein".

 


1848
Weihbischof Lüpke kauft die simultane Töchterschule und übergibt sie dem Orden der Ursulinen die dort eine Mädchenschule errichten.
Der evangelische Magistrat gründet eine evangelische Höhere Töchterschule.

 


1849
Gründung des "Arbeiter-Bildungsvereines" in Osnabrück

 


1850
Die Herrenteichmühle, welche früher dem Domkapitel gehörte, wird ebenso wie die Neue Mühle und der alte Martinshof am Pottgraben von der Stadt Osnabrück dem Staat abgekauft. Zudem beginnt die Stadt mit dem Bau unterirdischer Abwässerkanäle.

 


1852-1854
Stüve wird alleiniger Bürgermeister der Stadt Osnabrück.

 


1854
Das Königreich Hannover tritt dem 1834 von Preußen gegründeten "Zollverein" bei. Der Handel wird dadurch für die Stadt Osnabrück positiv beeinflußt, da es bislang vom Gebiet des Zollvereins umschlossen war.

 


1855
Die Eisenbahnlinie Osnabrück - Löhne wird eröffnet und stellt so die Eisenbahnverbindung nach Hannover her. Diese Strecke wird 1856 über Rheine bis Emden ausgebaut.

 


1856
Der "Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein" wird gegründet.

 

 

1857
Das Bistum Osnabrück wird wiederhergestellt. Dr. Paulus Melcher wird Bischof von Osnabrück (1858-1866).
Die Provinzial-Taubstummenanstalt in Osnabrück wird eingerichtet.

 


1858
Eine neue Verfassung auf Grundlage der Hannoverschen Städteordnung erweitert die demokratische Mitwirkung der Bürger in Bereichen der Stadtverwaltung.
Das Osnabrücker Gaswerk nimmt seine Tätigkeit auf. Infolge dessen werden die Straßenbeleuchtungen auf Gas umgestellt.

 


1859
Eine Cholera Epidemie bricht in Osnabrück aus. Aus diesem Grunde wird der Ausbau der Kanalisation beschleunigt und auf dem Gelände der Johannesfreiheit in der Neustadt wird mit dem Bau eines Krankenhauses, des Marienhospitales, begonnen, sowie ein Elektrizitätswerk errichtet.

 


1861
Die Stadt zählt bereits 139 größere und kleinere Fabrikbetriebe.

 


1864
Die Freiwillige Feuerwehr wird gegründet. Johannes Miquel wird erstmalig Bürgermeister von Osnabrück. 1869 wird er vom preußischen König zum Oberbürgermeister ernannt.

 


1865
Das Stadtkrankenhaus, welches sich seit 1862 im Bau befand wird eröffnet.

 


1866
Nachdem das Königreich Hannover, welches im deutsch-deutschen Krieg an der Seite Österreichs stand, 1866 vom Königreich Preußen annektiert wurde, fällt Osnabrück an Preußen.

 

Osnabrück in der ersten und zweiten  Hälfte des 19. Jahrhunderts