Absolutismus (1650-1802)

Fürstbischöfliche Schloß von Osnabrück

 

 

Das Fürstbischöfliche Schloß von Osnabrück, gesehen vom Schloßgarten.
Zeichnung von L. Rohbock

 

 

1650

Nach Zahlung einer Abfindung ziehen sich die Truppen von Gustav Gustavson aus dem Bistum Osnabrück zurück. Nun ist der Weg frei für den alten und neuen Bischof Franz Wilhelm von Wartenberg, der das Fürstbistum wieder in Besitz nimmt, die meisten Jahre jedoch in seinem süddeutschen Bistum Ragensburg verbringt.

 

1652
Die Jesuiten kehren nach Osnabrück zurück und nehmen ihre Lehrtätigkeit am Gymnasium Carorlinum wieder auf.

 

 

1661
Ernst August I. aus dem Hause Braunschweig-Lüneburg wird der erste weltliche Bischof des Fürstbistums Osnabrück. Nachdem Franz Wilhelm von Wartenberg am 01.12.1661, starb wird dieser Bischof, entsprechend den Vereinbarungen des Westfälischen Friedens ohne Zustimmung des Domkapitels eingesetzt. Er legt eigene Truppen in die Stadt denen die Bürger die Bewachung der äußeren Stadttore überlassen müssen und erwirkt die Übergabe zahlreiche freiwilliger Geschenke, welche die Stadtkasse weiter verschulden.

 

 

1667
Der Bischof veranlasst den Bau des Osnabrücker Schlosses, da er seine Hofhaltung von Iburg nach Osnabrück verlegen will. 1672 bezieht er mit seiner Frau Sophie von der Pfalz das Gebäude. 1675 ist das Hauptgebäude voll bewohnbar, 1680 folgen die beiden Seitenflügel.
Das Osnabrücker Schloß ist in seiner Ausführung ein verkleinerter Nachbau des Palais de Luxembourg in Paris.
1680 verlegt Ernst August I. seine Residenz nach Hannover, wo er die Herzogs- und später 1692 die Kurfürstenwürde erlangt. Das Schloß bleibt im Privateigentum des Hauses Braunschweig-Lüneburg (später Hannover). Es steht fast ständig leer und das Fürstbistum wird mit Hilfe des Geheimen Rates in Osnabrück von Hannover aus verwaltet.

 

 

1673
Nördlich des Domes entsteht ein Ost-West ausgerichteter Neubau für das Carolinum.

 

 

1681/82
Zum Ärger der Stadt kehren die Jesuiten nach Osnabrück zurück, um im neuem Schulgebäude des Carolinums zu unterrichten. Eine Reihe von Auseinderandersetzunge sind die Folge.

 

 

1682
Osnabrück wird an das hannoverischen Postnetz angeschlossen.

 

 

1698
Nach dem Tode Ernst August I. wird Karl Josef Herzog von Lohtringen, später auch Kurfürst von Trier, durch das Osnabrücker Domkapitel zum katholischen Bischof von Osnabrück gewählt. Er regiert bis 1715.

 

 

1714
Bischof Karl Josef läßt die Straße von Osnabrück über Oesede nach Iburg ausbauen. Es ist die erste Kunststraße im Fürstbistum Osnabrück.

 

 

1715
Entsprechend der Immerwährenden Kapitulation wird der evangelische Welfe Ernst August II. Bischof von Osnabrück.
Hier entstand eine interessante politische Konstellation. Denn bereits seit 1714 stellte das Haus Hannover, zuvor Braunschweig Lüneburg genannt, als protestantischer Urenkel Karls II. von England den englischen König, Der protestantische Bischof Ernst August II. regierte bis 1728, er war der Bruder von König Georg I von England. Somit führte die Immerwährenden Kapitulation dazu, daß die protestantischen Fürstbischöfe von Osnabrück immer aufs Engste mit dem englischen Königshause verbunden waren.

 

 

1715-1728
Die Regierungszeit von Ernst August II. ist gekennzeichnet vom Merkantilismus. Auf ihn gehen die Förderung der Heimindustrie, insbesondere des Leinen- und Tuchgewerbes, der Aufbau von Manufakturen, Anlegung einer Wachsbleiche, Errichtung einer Saline, auf dem Rothem Felde bei Erpen, und die Erbauung einer Porzelanfabrick, am Westerberg, sowie die Errichtung einer bischöflichen Münze, am Ledenhof, zurück. Die von ihm begonnene, aber bei seinem Tode nicht vollendete Augustenburg am Martinstor wird nach seinem Tod von den Bürgern der Stadt gekauft und niedergerissen.

 

 

1720
Am 14.12 wird Justus Möser in Osnabrück geboren.

 

 

1727
König Georg I. stirbt im Schloß zu Osnabrück, während einer Reise von England nach Hannover.

 

 

1728-1761
Das Domkapitel wählt den Fürsten Clemens August von Wittelsbach, Herzog von Bayern, Kurfürst von Köln, zum Bischof von Osnabrück. Da er fast nur in seiner rheinischen Residenz Schloß Brühl in Bonn lebt wird Osnabrück durch den von ihm ernannten Statthalter, Domprobst von Kersenbrock, verwaltet. Dieser baut den bischöflichen Hof Eversburg zu seiner Residenz aus und legt dort die Petrusallee mit der Petrussäule an.

 

 

1732
Bischof Clemens August, der auch Hochmeister des Deutschen Ordens ist, läßt die Neue Mühle, am Pottgraben, erneuern und die Kirche der Ordenskommende, an der Kommenderiestraße, wieder herrichten.

 

 

1756-1763
Im Siebenjährigen Krieg sympathisieren Stadt und Bischof von Osnabrück mit der gegnerischen Seite. Während Bischof Clemens August die österreichische Seite unterstützte, hielt die Stadt mehr zur preußisch-hannoveranischen Partei. Mehrmals wechselt die Herkunft der Besatzung in Osnabrück zwischen preußisch-hannoverisch und französisch. Die Befestigungsanlagen der Stadt, die während der Regierungszeit des Hauses Hannover noch vorbildlich waren, hatte man so vernachlässigt, daß selbst kleine plüdernde Streifkorps die Stadt besetzten. Zwangsrekrutierungen und die Erpressung und großer Geld- und Sachwerte waren die Folge. Die schlechte finanzielle Lage der Stadt wurde dadurch weiter verschärft.

 

 

1761-1764
Der Osnabrücker Bischofsstuhl bleibt für diese Zeit unbesetzt, da nach dem Tode Clemens Augusts zwischen Domkapitel und König Georg III. Streitigkeiten über den Nachfolger im Amt entstanden. Während dieser Zeit wurden die Regierungsgeschäfte des Fürstbistums vom König selbst in London wahrgenommen.

 

 

1764-1802
Prinz Friedrich von York, Sohn des Königs von England, wird zum Fürstbischof zu Osnabrück ernannt. Während der Unmündigkeit des Prinzen wird die Führung der Regierungsgeschäfte zwei Vertretern der Osnabrücker Ritterschaft, (v.d.Bussche und v. Lenthe), übertragen. Justus Möser fungiert als juristischer Berater. Fürstbischof Friedrich, Prince of Yorck ist der letzte Fürstbischof von Osnabrück. Bei seiner Ernennung hat er das Alter von 6 Monaten. Für die finanzielle Lage des Fürstbistums war diese Regelung jedoch ebenso vorteilhaft wie für die Verwaltung. Da der Fürstbischof nicht in Osnabrück residierte und keine eigene Hofhaltung unterhielt, wurden dem König Georg III. im Durchschnitt 55.000 Taler gezahlt. So konnte die Stadt Schulden in Höhe von 600.000 Taler abtargen ohne zusätzliche Steuern erheben zu müssen. Für die Verwaltung des Fürstbistums war es von Vorteil, daß sie von Osnabrückern, insbesondere Justus Möser, vor Ort erfolgte.

 

 

1765
Justus Möser beginnt seine Osnabrücker Geschichte. Laut Ludwig Hoffmeyer die erste deutsche Sozial- und Verfassungsgeschichte. 1823 erscheint noch ein dritter Band, der sich aus seinem Nachlaß ergeben hat.

 

 

1766
Die erste Osnabrücker Wochenzeitung wird auf Veranlassung Mösers herausgegeben. Er übernimmt die Leitung und trägt volkstümliche Abhandlungen über Angelegenheiten des praktischen in diesem, seinem, Osnabrückischen Intelligenzblatt. Seine Tochter Jenny v. Voigts sammelte diese Aufsätze und gab sie ab 1774 unter dem Namen Patriotische Schriften heraus.

 

 

1771
Mit 5923 Einwohnern hat Osnabrück seine niedrigste Einwohnerzahl seit Beendigung des Siebenjährigen Krieges erreicht.

 

 

1772
Zwei Ereignisse bestimmen das Jahr zum Einem ist eine starke Teuerungsrate zu verzeichnen, die das Leben des Einzelnen erschwert. Zum Anderen wird in der Stadt das 1000 jährige Bestehen gefeiert.

 

 

1773
In Osnabück wird das Jesuitenkolleg aufgelöst nachdem Papst Clemens XIV. diesen Orden aufgehoben hat. Die Leitung des Carolinums wurde dem Franziskanerorden übergeben.

 

 

Ab 1780-1800
Das sog. Goldene Zeitalter für Osnabrück beginnt. Begünstigt durch einen Aufschwung der Leinenindustrie, der Tabakfabrikation und des Handels setzt eine vermehrte Bautätigkeit ein, in der viele klassizistischen Bürgerhäuser entstanden sind.

 

 

1780
Das erste Osnabrücker Theater wird ins Leben gerufen. Benutzt wird ein umgebauter Stall im ehemaligen Tecklenburger Hof , Große Gildewart 7.

 

 

1783
Bischof Friedrich von York erlangt die Volljährigkeit, er kehrt nach kurzem Aufenthalt in Osnabrück nach England zurück.

 

 

1785
Bau der Landes- und Justizkanzlei, Bischöfliche Kanzlei, im klassizistischen Baustil, welcher von vielen Bürgerhäusern schnell nachgeahmt wird, z.B. Hirschapotheke.

 

 

1789
Johan Eberhard Stüve veröffentlicht die Beschreibung und Geschichte des Hochstifts und Fürstentums Osnabrück.

 

 

1793
Bischof Friedrich von York erhält den Oberbefehl über die englischen Streitkräfte, die gegen das revolutionäre Frankreich eingesetzt werden.

 

 

1794
Justus Möser stirbt in Osnabrück.
Französische Emigranten lassen sich in Osnabrück nieder.
Ein revolutionärer Bauernaufstand im östlichen Osnabrücker Land (Bissendorf, Holte und Gesmold) wird niedergeschlagen.

 

 

1795
Der Baseler Frieden 1795 bringt Osnabrück den Status eines neutralen Gebietes. Dennoch wird das Fürstbistum durch die Stationierung preußischer Truppen zur Sicherung der Demarkationslinie belastet. Im Verlauf der Revolutionskriege erfolgen trotz ihres Statusses Einquartierungen englischer, hannoveraner, französischer und preußischer Truppen.
Die Gossen in der Mitte der Straßen, welche bislang den Unrat fortspülten wurden entfernt. Das bislang übliche Verfahren Unrat, Müll, Misthaufen, Holzstapel und Fensterböcke (zum Warenverkauf) auf die Straßen zu plazieren wird verboten. Der Markt erhält eine nächtliche Beleuchtung, welche schnell für die Straßen der Stadt und sodann von den Laischaften übernommen wird.

 

 

1801
Gesellenaufstand in der Gartlage. Ein zunächst harmloses Zusammentreffen Osnabrücker Handwerksgesellen und Bürger wird durch revolutionäre Parolen angeheizt. Der Widerstand gegen den Rat der Stadt und hannoveraner Truppen als diese die Versammlung zu zerstreuen versuchen, kostet zehn Aufständischen das Leben. Gegen weitere, aufgebrachte Gesellen und Bürger werden harte Strafen verhängt.

 

Fürstbischöfliche Schloß von Osnabrück