Reformation bis Westfälischer Frieden (1500-1648)

Osnabrück aus der Vogelperspektive (Kupferstich von Wenzel Hollar ca. 1630)

 

Die Stadt Osnabrück aus der Vogelperspektive. Nach einem Kupferstich von Wenzel Hollar ca. 1630 anläßlich der Eröffnung der Osnabücker Karls-Universität.
Links unten Petersburg. Linke Stadthälfte Neustadt mit St. Johann. Rechte Stadthälfte Altstadt mit Dom (Vordergrund) und Rathaus und St. Marien (Hintergrund) im Zentrum der Stadt, zwischen Alt- und Neustadt, St. Katharinen und Neumarkt. Rechts oben: Wappen der Stadt Osnabrück

 

 

1500-1600
Dieses Jahrhundert bildet eine Blütezeit des Osnabrücker Handels. Hauptexportgut war das Osnabrücker Leinen Löwenlinnen. Mit dem Osnabrücker Rad als Qualitätsmerkmal ging es nach seiner Prüfung durch die Osnabrücker Legge zunächst in die Niederlande und von dort sogar nach Übersee.

 

 

1521
Der Lehrmeister Luthers in Erfurt, der Augustinermönch Hecker, predigt im Kloster am Neumarkt erstmals die evangelische Lehre kann sich aber zu diesem Zeitpunkt nicht in der Stadt und beim Rat durchsetzen.

 

 

1525
Unter Führung von Johann von Oberg und Johann Ertmann greifen die Gilden die Forderungen des Lenethunaufstandes von 1488 wieder auf. Da der Rat der Stadt sich als unfähig erweist diesen Aufstand zu beenden bereitet Bischof Erich II. (1508-1532) die Belagerung der Stadt vor. Daraufhin fliehen die Aufständischen und die Stadt bezahlt eine hohe Geldbuße an den Bischof.

 

 

Um 1525
Um gegen spätere Belagerungen sicher zu sein baut die Stadt ihre Befestigungsanlagen aus, insbesondere werden Erdwälle zum Schutz gegen Kannonenbeschuß errichtet.

 

 

1526
Kaiser Karl V. richtet an das Domkapitel, Ritterschaft, Geistlichkeit und die Stadt Osnabrück ein Schreiben in dem er sie auffordert, dem alten Glauben treu zu bleiben und seine Reformen abzuwarten. Dennoch gehen in Osnabrück die Versuche weiter die Reformation im evangelischen Sinne durchzusetzten.

 

 

1530
Erneut wird Osnabrück von einen großen Brand beschädigt. Das Feuer breitet sich von der Hakenstraße aus und zerstört viele Häuser der Johanneslaischaft, u.a. die Georgskapelle in der Großen Str. 67. Die folgenden Seuchen und eine Sturmkatastrophe mit der daraus resultierenden Mißernte und Hungersnot fordern zahlreiche Opfer unter der Bevölkerung.

 

 

1532
In Anbetracht der oben genannten Zerstörungen kommt es zur Aussöhnung zwischen Rat und Geistlichkeit von Osnabrück. Diese wurde durch die Zugeständnisse des neuen Bischofes von Osnabrück und Münster Franz von Waldeck begünstigt. Die gesamte Bevölkerung leidet noch immer unter den Auswirkungen der Ereignisse von 1530, so daß die Reformation in Osnabrück zum Stillstand kommt.

 

 

1534
In Münster errichten der Prediger Rothmann, der Kaufmann Knipperdolling, sowie Johann von Leyden und Jahn Mathys ihr Wiedertäuferreich, eine radikale reformatorische Bewegung um Thomas Münzer. Die Sendboten dieser Bewegung, welche in Osnabrück versuchen die Wiedertäuferbewegung zu verbreiten, werden verhaftet und in Iburg hingerichtet. 1535 gelingt es dem unter Bischof Franz von Waldeck vereinigtem Herr die Münster, nach langer Belagerung, wieder zu erobern. Diese radikale reformatorische Bewegung schadete der Reformation in Osnabrück auf einige Jahre.

 

 

1542
Nachdem sich Bischof Franz von Waldeck, aus machtpolitischen Gründen, einem Feldzug des Schmalkaldischen Bund in Norddeutschland anschloß konnte er den Bürgern von Osnabrück das Bekenntnis zur lutherischen Konfession nicht mehr verweigern.

 

 

1543
Aus Lübeck ruft der Rat der Stadt Osnabrück den Superintendenten Hermann Bonnus herbei. Dieser trifft noch im selben Jahre in Osnabrück ein und hielt in der Marienlirche seine erste Predigt. Ebenso verfasste er in diesem Jahre eine lutherische Kirchenordnung in nierdeutscher Sprache. Der Rat eröffnete zudem im säkularisierten Barfüßerkloster eine eigene, lutherisch geprägte Lateinschule, das noch heute bestehende Ratsgymnasium.

 

 

1544
Die Stadt Osnabrück tritt dem Schmalkaldischen Bund als ordentliches Mitglied bei.

 

 

1548
Kaiser Karl V. erlässt nach seinen Erfolgen über den Schmalkaldischen Bund während eines Reichstages in Augsburg ein Dekret, welches die Reformation stark einschränkt. So wird auch in Osnabrück das Ratsgymnasium zunächst wieder geschlossen.

 

 

1552
Im Passauer Vertrag werden die Einschränkungen des Augsburger Dekretes wieder aufgehoben. In den Osnabrücker Kirchen St. Marien und St. Katharinen wird die Reformation wiederhergestellt. Der Prediger Pollius von St. Katharinen wird vom Rat der Stadt zum ersten Stadtsuperintendenten ernannt.

 

 

1553
Während eines Rachefeldzuges des Phillip Magnus von Braunschweig, wegen des Angriffes des Schmalkaldischen Bundes auf sein Land, gerät die Stadt Osnabrück in Gefahr. Zum Schutze der Stadt läßt der Rat die gesamten unbefestigten Vorstädte abbrennen und erläßt ein bis 1843 befolgtes Verbot sie wiederaufzubauen. Gleichzeitig wurden die Befestigungsanlagen weiter für den Schutz gegen Feuerwaffen verbessert. So geschützt gelang es den Bürgern der Stadt Osnabrück, ohne Hilfe durch den Landesherrn oder der Ritterschaft, die Belagerung abzuwehren.

 

 

1557
Beginn der Grothausfehde. Im Verlauf dieser Fehde (obwohl das Fehderecht 1495 aufgehoben war) eines Osnabrücker Adligen gegen Stadt, Bürger und Bischof von Osnabrück wegen vermeintliches Unrecht mischen sich die die Herrschaft Lingen besetzenden spanischen Soldaten ein (Freiheitskrieg der Niederlande gegen Spanien). Die Fehde endet 1591 mit dem Blutbad im Gehn bei Bramsche wo ca. 300 Bauern im Kampfe mit einer spanischen Reitereinheit starben.

 

 

1568
Die Stadt erwirbt in einem Vertrag mit dem Domkapitel das Recht, daß allein sie auf dem Piesberg Steinkohle brechen darf.

 

 

1575
In der zweiten Pestwelle seit 1350 sterben mehr als 4.000 Einwohner der Stadt. Dieser Pest folgen eine Pockenepedemie und 1579 eine Mißernte mit Hungersnot. Weitere Pestepedemien folgen 1597, und 1599-1605.

 

 

1582
Als Folge dieser Notzeiten kommt es erneut zu makaberen Hexenverfolgungen, denen nur in seltenen Ausnahmefällen auch Männer als sog. Hexer zum Opfer vielen.. Innerhalb von zehn Jahren werden, besonders in der Endphase der Regierungszeit des Bürgermeisters Hammacher (1565-1588), 163 Frauen als angebliche Hexen ermordet, die meisten verbrannt, die Hinrichtung durch Enthauptung galt als besonderer Gnadenakt und muß durch die Anverwandten der Opfer teuer erkauft werden.

 

 

1595
Erneute Eröffnung des Ratsgymansiums durch den Rat der Stadt. als Schulhaus wird das Gebäude der Kirchspielschule von St. Marien (lutherisch) benutzt.

 

 

1613
Ein im Hofhaus zur Twente entstandenes Feuer zerstört ca. 180, zum größten Teil gewerblich genutzte, Häuser im Nordwesten der Stadt. Auch das Rathaus und die Marienkirche geraten in Mitleidenschaft.

 

 

1618
Kaiser Ferdinand II. bestätigt der Stadt Osnabrück seine Priviliegien und die Augsburger Konfession (Religionsfreiheit). Der in der Stadt ansässige Adel ruft im selben Jahr zur Unterstützung der böhmischen Stände gegen den Kaiser auf.

 

 

1618-1620
Die Wehrfähigen der Stadt werden zu einer Bürgerwehr (Freifahne) zusammengerufen. Zudem mit der Anwerbung von Söldnern soll diese Maßnahme dazu dienen, die Stadt im 1618 begonnen Krieg (der 30ig jährige Krieg) selber verteidigen zu können. Die Neutralitätserklärung der Stadt akzeptierte der Kaiser im selben Jahr.

 

 

1623
Erstmals im Verlauf des 30ig jährigen Krieges wird die Stadt von der katholischen Liga belagert. Angesichts der aufmarschierten Truppen wählt das Domkapitel ohne Beteiligung des Rates den katholischen Prinzen Eitel Friedrich Kardinal von Hohenzollern-Sigmaringen (1623-1625) zum Osnabrücker Bischof.

 

 

1623/1624
Durch die Zahlung von 39.000 Talern an den Feldherrn der Liga Tilly verhindert die Stadt Einquartierungen innerhalb ihrer Mauern während des Winters. Sie wahrte so ihre Neutralität, auch wenn das Umland vollständig ausgeplündert wurde.

 

 

1624
Kaiser Ferdinand II, lehnt mit Rücksicht auf den katholischen Bischof und Landesherrn die Erhebung Onsabrücks zur Freien Reichsstadt ab. 
Der Bischof Eitel Friedrich führt den Gregorianischen Kalender ein.

 

 

1625
In diesem Jahr sieht sich Osnabrück einem dänischem Herr der Protestantischen Union gegenüber. Erneut kann die Stadt durch Zahlung einer großen Summe ihre Neutralität wahren. Im selben Jahr übernehmen auch die Jesuiten die Leitung der katholischen Domschule. Nachfolger des im Herbst verstorbenen Bischofs wird Franz Wilhelm von Wartenberg.

 

 

1626
Die dänischen Truppen der Protestantischen Union werden bei Lutter am Barenberge von der Katholischen Liga geschlagen, sie halten jedoch weiterhin Fürstenau im Norden des Osnabrücker Landes. 
Durch die Gründung eines Jesuitenkollegs am Neumarkt schafft Bischof Franz Wilhelm von Wartenberg die Grundlage zur Bildung einer kathohlischen Hochschule in Osnabrück.

 

 

1627
Angebelich wegen den Verhandlungen die der Rat der Stadt Osnabrück mit den Dänen über deren Truppen in Fürstenau führt hebt Kaiser Ferdinand II. seinen Schutzbrief von 1618 und damit die Neutralität der Stadt auf. Das Domkapitel nimmt diese Wendung im Gegensatz zum Rat ohne Protest hin.

 

 

1628
Die Truppen der Liga ziehen in die Stadt ein. Mit ihm kommt auch der Bischof in die Stadt und leitet eine starke gegenreformatorische Bewegung ein. Evangelische Prediger und Lehrer werden aus der Stadt gewiesen und ein katholischer Rat eingesetzt. Desweiteren wird das Jesuitenkolleg ausgebaut und im Südosten der Stadt eine Festung, die Petersburg gebaut. Den Beteuerungen, diese Feste diene nur dem Schutz der Stadt, wurde von den Bürgern der Stadt nie geglaubt. Da diese Wehranlage vollständig abgeschlossen und nicht mit den bestehenden Wehranlagen verknüpft war konnte sie ebenso leicht zur Bedrohung der Stadt dienen.

 

 

1629
Papst Urban VIII. bestätigt die von Franz Wilhelm von Wartenberg 1626 beantragte Gründung einer Osnabrücker Karls-Universität. Kaiser Ferdinand II. stellt am 20.02.1630 die Stiftungsurkunde aus.

 

 

1632
Feierliche Eröffnung der Osnabrücker Karls-Universität (Academia Carolina) am 25. Oktober im Gebäude des ehemaligen Augustinerklosters am Neumarkt. Der Lehrkörper dieser Universität wird aus den, bereits in Osnabrück befindlichen, Jesuiten gebildet.

 

 

1633
Herzog Georg von Braunschweig und Dodo von Knyphausen führen ein schwedisches Heer in die Stadt. Diese ergab sich nach kurzer Belagerung die katholische Besatzung der Petersburg wird ausgehungert. Unmittelbar nach Besetzung der Stadt werden die alten Zustände in der Stadt wiederhergestellt. Die evangelischen Kirchen werden erneut geöffnet, der ursprüngliche Rat und das Ratsgymnasium nehmen ihre Arbeit wieder auf und der Gregorianische Kalender wird wieder abgeschafft, zudem wird die Universität geschlossen. Unter dem Befehl des Grafen Gustav Gustavson mußte die Stadt nun eine 600 Mann starke Besatzung bis 1643 unterhalten.

 

 

1636-1639
Ein letztes Mal kam es in Osnabrück zu Hexenverfolgungen. Nochmals wurden, unter dem Bürgermeister Dr. Pelster, mehr als vierzig Frauen als Hexen angeklagt und hingerichtet. Sie waren die letzten Opfer dieses grauenhaften Treibens in Osnabrück. Die meisten von ihnen wurden öffentlich enthauptet, ihre Leichen verbrannt. Nur den Opfern aus reichen Familien wurde, nach entsprechender Bezahlung durch ihre Verwandten die "Gnade der heimlichen Enthauptung" und das anschließende Begräbnis in ungeweihter Erde gewährt.

 

 

1641
Osnabrück und Münster werden von den Kriegsparteien zu neutralen Orten erklärt. Hier sollen die Friedensverhandlungen durchgeführt werden. Damit verbunden ist der Abzug aller fremden Truppen aus diesen Städten.

 

 

1643
Die Stadt wird von den schwedischen Truppen geräumt. Gesandte aus fast allen europäischen Ländern treffen in Osnabrück ein und beginnen im Friedenssaal des Rathauses von Osnabrück mit den Verhandlungen.

 

 

1648
Am 06.08.1648 wird der sog. protestantische Teilfriede von Osnabrück zwischen dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und dem Schwedischen Königreich geschlossen. Am 05. und 06.09. 1648 folgt der Teilfriede von Münster mit dem Friedensschluß zwischen dem Reich und Frankreich. Der 24.10.1648 bringt in Münster den Abschluß des sog. Gesamtfriedens, der den Niederlanden und der Schweiz die Unabhängigkeit sichert. Damit waren die Vertragswerke des Westfälischen Friedens ausgehandelt und unterzeichnet. Dieser Westälische Friede und das Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde sodann am 25.10.1648 auf den Treppen des Rathauses zu Osnabrück verkündet. Am Ende diese Krieges waren die Kassen der Stadt und der Bürger vollkommen erschöpft. Die großen Geldsummen, welche aufgebracht werden mußten, um die Stadt vor Brandschatzungen zu bewahren, sowie die Kosten der Einquartierungen waren nicht allein vom Stadtsilber und durch immer neue Steuern zu begleichen. Sie mußte sich auch auf Jahrzehnte hinaus bei auswärtigen Geldgebern hoch verschulden. Sogar aus der Armenkasse wurden Gelder entnommen. 
Zum Thema Westfälischer Friede siehe auch 350 Jahre Westfälischer Friede.

 

 

1648
Die Bürger der Stadt Osnabrück reißen die von ihnen gehaßte und gefürchtete Petersburg ein. 
Die Thurn- und Taxische Post leitet ihre Poststrecke von Hamburg nach Köln über Osnabrück.

 

 

1650
Die Zukunft Osnabrücks ergab sich aus den Beschlüssen des Reichstages zu Nürnberg. In der Immerwährenden Kapitulation (Capitulatio perpetua) wird genau beschrieben wie sich die Verhältnisse im Fürstbistum Osnabrück in Zukunft gestalten sollten. Die hier festgeschrieben Regelungen behielten ihre Gültigkeit bis 1802/03, also bis zur Auflösung des Fürstbistums Osnabrück. Der hierfür eingesetzte Nürnberger Exekutionsausschuß bestimmte folgende Regelungen:

 

  • Das Fürstbistum solle abwechselnd von einem gewählten katholischen Landesherrn (dem Bischof der katholischen Kirche im Bistum) und einem evangelischen Fürstbischof aus dem Hause Braunschweig-Lüneburg regiert werden. Der jeweilige Landesherr sichert der anderen Konfession deren Freie Religionsausübung zu.
  • Die konfessionellen Verhältnisse des Jahres 1624 als das sog. Normaljahr sollen wieder hergestellt werden. Das bedeutet, daß die Osnabrücker Universität, sowie das Barfüßer- und das Augustinerkloster nicht wiedereröffnet werden.
  • Die Zusammensetzung des Domkapitels wurde neu geregelt.
  • Der Gregorianische Kalender wird endgültig eingeführt.
  • Das Legge Recht der Stadt wird bestätigt.
  • Der Rat bleibt evangelisch und behält das niedere Gerichtswesen, sowie die Verwaltung über die wiedereröffneten evangelischen Kirchen St. Marien und St. Katharinen und Schulen.
  • Bischof Franz Wilhem von Wartenberg alter und erster neuer Landesherr gewährt den Bürgern der Stadt Osnabrück für das Niederreißen der Petersburg seine Vergebung. Ein Wiederaufbau findet nicht statt.

 

Osnabrück aus der Vogelperspektive (Kupferstich von Wenzel Hollar ca. 1630)Stadtplan Osnabrück - detail