Bischöfe von Osnabrück

Quelle:
Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 1509
Grenzen Fürstbistum Osnabrück

 

Gegen Ende des 8. Jh., sicher vor 803, entstand das Bistum Osnabrück als Teil des Kölner Metropolitanverbandes im Gebiet des angelsächsischen Threcwitigaues; der Friese Wilho (+ 804 oder 805) wird als erster Bischof verehrt. Ein erschlossener Kkarolingischer Dombau war den Heiligen Petrus, Crispinus und Crispinianus (Reliquientranslation unter KARL DEM GROSSEN 786?) geweiht. Wesentliche Rückschritte für das junge Bistum bildeten die Normanneneinfälle sowie die Übertragung der Zehnteinkünfte von Meppen und Visbek an Corvey (834/55). Bereits vor 860 wurde die Diözese Osnabrück um das Gebiet des späteren Oldenburger Archidiakonatsbezirks Wiedenbrück erweitert. Der innere Ausbau der Diözese erlangte im 13. Jh. mit der Archidiakonatseinteilung (vor allem durch Bischof Adolf von Tecklenburg) einen ersten Abschluss. Ende des 15. Jh. gliederte sich die Diözese (bestehend aus dem Osnabrücker Hochstift - einschließlich der Exklave Reckenberg -, den Grafschaften Ravensberg, Tecklenburg, Rietberg, Rheda sowie Teilen von Diepholz und dem erst 1667 diözesal zum Hochstift Münster gelangten Niederstift Münster) in 13. Archidiakonate mit 102 Kirchen. Bedingt durch einen hohen Anteil grundherrlicher Eigenkirchen besaß der Bischof nur bei 11 Kirchen das Patronatsrecht. Die Klosterentwicklung im Bistum verlief weitgehend unabhängig vom bischöflichen Einfluss, lediglich Iburg, das Benediktinerinnenkloster auf dem Gertrudenberg und das Stift Quakenbrück sind direkt auf bischöfliche Initiative zurückzuführen. 
 
Da die Bischöfe in ihrer Diözese nicht in den Besitz der Grafschaftsrechte gelangten, stützten sie sich besonders auf (teilweise nur in verfälschter Form erhaltene) königliche Immunitätsprivilegien (besonders 848, Bestätigung 948) und auf ein Forstbannprivileg von 965, während vermutlich im 12. Jh. die Grafenrechte in noch ungeklärter Weise in Ravensberger und Tecklenburger Hand gerieten. Die wohl im frühen 12. Jh. herausgebildete Stiftsvogtei geriet kurzzeitig an Heinrich den Löwen und den von diesem an 1182 "summus advocatus" genannten Simon von Tecklenburg. Sie konnte aber zusammen mit weiteren Vogteirechten ab 1222 in mehreren Zügen bis 1236 vom Bischof zurückgewonnen werden, der sich zudem seit 1225 in den Besitz von Gogerichtsrechten setzte. Reichspolitisch bedeutsam waren Bischof Ludolf (+ 978) als Kanzler OTTOS I. und vor allem Bischof Benno II. (+ 1088) als Parteigänger HEINRICHS IV. und zugleich Vermittler zwischen Kaiser und Papst. Auch legte er einen Grund für die Ausbildung der Landesherrschaft, indem er die Zehntrechte über alle Bistumsbewohner gegen Corvey erstritt. Zu diesem Zwecke verfälschte er alle karolingischen und einige Urkunden OTTOS I.
 
Die bischöfliche Landesherrschaft stützte sich neben der ab 1073 errichteten Landeshauptburg Iburg besonders auf ein in zwei Wellen begründetes Landesburgensystem (Quakenbrück, Grönenberg, Fürstenau, Wittlage u.a.), bei denen sich auch stark ministerialisch geprägte städtische Minderformen entwickelten. Neben dem Landesvorrat ist nur das exklavisch gelegene Wiedenbrück mittelalterliche als Vollstadt anzusehen. Insbesondere Quakenbrück stellte stadtgeschichtlich einen Sonderfall dar. Um 1400 ist die Gliederung des Hochstifts in sieben Ämtern (Fürstenau, Vörden, Hunteburg, Wittlage, Grönenburg, Iburg, Reckenberg) ausgebildet (Ämterordnung 1556); die Vororte der Ämter schlossen teilweise an die Burgengründungen an. An der Wende zum 15. Jh. sind zudem die Grundzüge des landständischen Systems (3 Kurien: Domkapitel, Ritterschaft, Stadt Osnabrück) deutlich erkennbar, zuerst fassbar in der Landesvereinigung von 1343. Die Bischöfe des Spätmittelalters wurden in erster Linie von westfälisch-niedersächsischen Adelshäusern gestellt; der Bischof selbst hatte bereits im 13. Jh. seinen Hauptsitz aus der Domburg zum neustädtischen Marienhof verlegt und residierte im 14.-16. Jh. vorwiegend in Iburg oder Fürstenau.

 

Grenzen Fürstbistum Osnabrück