Bistum und Stadt (780-1300)

Alt- und Neustadt von Osnabrück ca. 1500. Der ursprüngliche Siedlungskern ist im bogenförmigen Verlauf der Straßen um den Dom gut zu erkennen.

 

Alt- und Neustadt von Osnabrück ca. 1500. Der ursprüngliche Siedlungskern ist im bogenförmigen Verlauf der Straßen um den Dom gut zu erkennen.

 

Ca. 780
Beginn der praktischen Missionsarbeit im Osnabrücker Raum

 

783
Bei Detmold erleidet das sächsische Heer eine weitere schwere Niederlage. Dem sächsischen Herzog Widukind war es erstmals gelungen alle sächsische Stämme zu einem großem Heer zu vereinigen, dennoch unterlagen die Sachsen in einer dreitägigen Feldschlacht an der Hase. Widukind konnte sich nur durch Flucht retten. Nachdem er sich 785 in Attigny an der Aisne taufen ließ zog er sich auf seine Besitzungen im Raume Enger-Herford zurück.

 

 

Um 785
Die 783 zerstörte Missionsstation an der Hasefurt wurde wiederhergestellt und eine neue Kirche an der Stelle des heutigen Domes errichtet. Sie wurde vom 787 verstorbenen Bischof Agilfred zu Lüttich geweiht. König Karl schenkte hierzu als Gründungsgabe Reliquien der Märtyrer Crispin und Crispinian. Deren Gebeine wurden aus der fränkischen Stadt Soissons überführt.

 

 

Um 800
Der Missionsbezirk wird zum Bistum erhoben, der friesische Missionar Wiho wurde der erste Bischof des zweitältesten Bistums im sächsischen Siedlungsgebiet nach Paderborn.

 

 

804
Todesjahr von Bischof Wiho und Gründungsjahr einer Domschule für Griechisch und Latein, diese Schule ist der Vorgänger des späteren Gymnasium Carolinum.

 

 

851
Der Osnabrücker Dombezirk mit Kirche, Bischofshof (Domstift) und Schule wird erstmalig urkundlich als "Monasterium Osnabrugga" erwähnt.

 

 

880 - 884
Die Domburg wird durch Überfälle der Normannen zerstört.

 

 

889
Die befestigte Domsiedlung wird wiederaufgebaut und Osnabrück erhält das erste Markt- , Münz- und Zollprivileg, lt. den Urkunden angeblich von Kaiser Arnulf von Kärnten. Osnabrück wurde so zum Marktflecken.

 

 

Um 900
Ein neuer Dombau erfolgt, dieser geht jedoch kaum über die Wiederherstellung der ursprünglichen Anlage hinaus.

 

 

1011
Außerhalb der Domburg und des inzwischen entstandenen Marktfleckens gründete Bischof Detmar (1003-1023) am Rande der südlichen Niederung der Wüste das Kollegiatsstift St. Johann.

 

 

Um 1080
Bischof Benno II. (1068-1088), ein großer Baumeister des Mittelalters, errichtet den dritten Dombau, dessen frühromanischer NW-Turm und große Teile der Westfront sind noch heute erhalten, ebenso legte er den Grundstein zum Bau des Klosters und der späteren Bischofsresidenz in Iburg. Er war wohl einer der bedeutendsten Osnabrücker Bischöfe, nicht nur in Bezug auf seine Bauten, sondern auch in Bezug auf seine Bedeutung für die Ausweitung und Sicherung Osnabrücker Privilegien.

 

 

1082
Die von Benno II errichteten Befestigungsanlagen zum Schutze der Domburg und des Marktfleckens halten im Verlauf der Sachsenkriege einer Belagerung durch den Gegenkönig des Kaisers Heinrich IV. stand.

 

 

1106
Einweihung des Domes durch Bischof Johannes I.

 

 

1137 - 1141
Bischof Udo von Steinfurt läßt die Westtürme um zwei Fensterreihen aufstocken. Auch das Oktogon (Achteck) des Vierungsturmes und der Ostflügel des heutigen Gebäudes stammen aus dieser Zeit.

 

 

1147
Eine Urkunde zur Regulierung der Pfarrgrenzen zwischen Dom und St. Johann bezeichnet Osnabrück als "civitas" Stadt.

 

 

Um 1150
Auf dem Gertrudenberg, gegenüber der Hasefurt, wird ein Benedektinerinnenkloster errichtet und mit den Nonnen des Klosters Herzebrock besetzt.

 

 

1157
Auf einer Reise von Neuß nach Goslar besucht Kaiser Friedrich Barbarossa Osnabrück, einziger Aufenthalt eines Kaiser in Osnabrück.

 

 

1171
Osnabrück erhält von Kaiser Friedrich Barbarossa das Privileg verliehen, daß seine Bürger vor keinem anderen als dem eigenem Gericht zu erscheinen haben (juis de non evocando). Zusammen mit den oben genannten Privilegien, dem Privileg zur Errichtung einer eigenen Befestigung (die Urkunde hierzu ist verlorengegangen) und dem zugebilligtem eigenem Gerichtsbezirk ist Osnabrück auch im juristischem Sinne eine Stadt "civitas".

 

 

1177
Zum ersten Male wird die Marienkirche erwähnt. Damit hat die Marktsiedlung außerhalb der Domburg eine eigene Kirche. Sie ist aus einer Marktkapelle entstanden. Im selben Jahr wird ein Hospital zu Ehren des hl. Vitus am Vitihof, unweit der Hasefurt, gegründet.

 

 

1181
Die Anhänger des 1180 geächteten Herzog Heinrich des Löwen, seit 1170 Stiftsvogt zu Osnabrück, besiegen in der Schlacht auf dem Haler Feld bei Osnabrück die verbündeten Grafen Westfalens. Dem Grafen Simon von Tecklenburg wird vom Herzog Heinrich die Stift- und Kirchenvogtei über das Bistum und somit auch über die Stadt, übertragen, weil dieser in der Schlacht verwundet worden war.

 

 

1217
Die Stadt Osnabrück verwendete erstmalig ein eigenes Siegel, zunächst ein achtspeichiges Rad, und dokumentierte so seine Selbständigkeit.

 

 

1225
Bischof Engelbert von Isenburg (1224-1226) erhielt durch eine kaiserliche Urkunde die Verfügungsgewalt über die sieben Gogerichte des Osnabrücker Landes. Diese, mit dem 03.September 1225 datierte Urkunde, kann als Stiftungsurkunde des Hochstiftes Osnabrück bezeichnet werden. Im selben Jahr verkaufte der Bischof jedoch bereits die Hälfte des Burggerichtes zu Osnabrück an die Stadt Osnabrück, dies wiederum bildete den ersten wichtigen Schritt zur rechtlichen Loslösung der Stadt vom Bischof, der Kaufpreis betrug 150 Mark Silber.

 

 

1236
Nach zehnjähriger Fehde gelang es Bischof Konrad von Velper im Verbunde mit der Stadt Osnabrück dem Grafen von Tecklenburg dessen Stifts- und Kirchenvogteirechte über das Bistum abzunehmen. Der Bischof war nun oberster und alleiniger Hoheitsträger in der Diözese, die Stadt Osnabrück wurde nunmehr Zentralort eines selbständigen Territoriums, welcher weiterhin bemüht war seine Unabhängigkeit vom Bischof auszubauen.

 

 

1246
Zum Schutze des Handels schlossen die Bischofsstädte Osnabrück, Münster und Minden ein Bündnis. Aus diesem Ladberger Vertrag entwickelte sich der Westfälische Städtebund, welcher sich im 14.Jahrh. der Hanse anschloß und der Osnabrück als führendes Mitglied, als Prinzipalstadt, angehörte.

 

 

1248
Erstmalig wird die Katharinenkirche als kirchlicher Mittelpunkt der Johanneslaischaft erwähnt. Zusammen mit der Butenburg (Heger Laischaft) und der Haselaischaft bestehen zu diesem Zeitpunkt drei Vorstädte die sich außerhalb der damaligen Befestigungsanlagen befanden. Die Erweiterung und Verstärkung des bisherigen Befestungsringes wird aus diesem Grunde bis 1251 abgeschlossen.

 

 

1254
Ein großes Brandunglück in der nun erweiterten Stadt greift um sich und beschädigt auch den Dom.

 

 

1275
Am 05.Februar dieses Jahres wird erstmalig ein Schöffenmeister (rector consulum), später Bürgermeister genannt, gewählt. Er ist jährlich neu zu wählen und steht dem im, seit 1244 bezeugten, Rathaus am Markt tagenden Schöffenkolleg vor. Mit diesem frei gewählten Oberhaupt beginnt die Selbstverwaltung der Stadt.

 

 

1280
König Rudolf von Habsburg bestätigte alle o.g. Privilegien, auch die Festungsneubauten und gestattet zudem den Bau einer zweiten, vorgelagerten Maueranlage am Westerberg zum Schutze gegen Brandpfeile (Hohe Mauer - Weibergraben).

 

 

1302
Bei einem gemeinsamen Feldzug mit Bischof Ludwig von Ravensberg (1297- 1308) nehmen die Osnabrücker Bürger den Grafen Simon von der Lippe gefangen. Dieser hatte die Stadt befehdet, weswegen er nun für mehrere Jahre in den Bucksturm gesperrt wurde.

 

Osnabrück 780-1300